Warum Dips beim Strenflex Fitnessabzeichen ab 2008 wegfallen
Der bisherige Strenflex-Test bestand aus den folgenden 6 Übungen: Einer Übung zur Überprüfung der kardialen Erholungsfähigkeit nach einerkurzen, intensiven Körperbelastung und einer Flexibilitätsübung, bei derexemplarisch die Rumpf-/Hüftbeweglichkeit getestet wird. Einer Kraft-/Koordinationsübung für die Bauchmuskulatur sowie dreier Kraftübungenfür die Oberkörpermuskulatur, nämlich der Rücken-, Schulter-, Brust- und Armmuskeln in Form einer Zug- und zweier Drückdisziplinen.
Nun macht eine ziehende Übung für dieauf Zug und Beugung angelegten Muskelschlingen,in Form des Klimmzugs,aus den in der FT 109 bereits erwähntenGründen sehr viel Sinn. Eine weitereOberkörperübung für die auf Druck undStreckung angelegten Muskelschlingenkomplettiert diese zu testende Region.Diese Übung könnte in Form eines Schulterdrückens,der Liegestütze und auch derDips angeboten werden. Dieser Qualitätjedoch gleich zwei Übungen zu widmen,bei einem aus 6 Übungen bestehendenFitnesstest, verzerrt das Leistungsabbild.
Der Oberkörper erfährt hierdurch eineÜberbetonung. Ein Training der Fitnessaktiven,um den Strenflex-Test bestehenzu können, wäre demzufolge klar einseitiggeprägt. Solch ein oberkörperlastigesKrafttraining, wie es von manchenAktiven der frühen Tage betrieben wurde,sollte zur Erreichung der Testmeriten nichtgefördert werden! Hier gilt es doch vielmehreine Rundum-Leistungsfähigkeitmittels einiger weniger, im Gesamtkontextaussagekräftiger Disziplinen zu ermitteln.
Viel wichtiger wäre es, die momentannoch gar nicht getestete Rumpf-/Beinkraftzumindest mit einer Übung kraftundbewegungstechnisch abzubilden.Hier würden sich z. B. Kniebeugen,Kreuzheben oder auch das Kraft-Umsetzenanbieten. Alle diese Übungen sindim Hinblick auf die Leistungsüberprüfungder Rumpf-/Beinregion als geeignetanzusehen, wobei das Kreuzheben bzgl.des Tests am praktikabelsten scheint.Gegen die beiden anderen ebenfalls hervorragenden Übungen sprechen beimUmsetzen das höhere technisch erforderlicheKönnen und bei den Kniebeugender erforderliche Stufenständer und die Sicherheitsvorkehrungen für den Versagensfall.
Beim Kreuzheben hat der Übende währendder vollständigen Übungsausführungdie Wirbelsäule gerade zu halten,wofür die gesamte wirbelsäulensicherndeMuskulatur über alle Wirbelsegmente zuaktivieren ist. Die Hubarbeit hingegenwird über die Knie-/Hüftstreckschlinge,primär also durch die Gesäss- und Oberschenkelmuskelnerbracht. Für die verschiedenenLeistungsstufen des Strenflex-Tests – Bronze, Silber und Gold – müssenals Zusatzlast das Körpergewicht oderprozentuale Anteile hiervon entsprechendhäufig gehoben werden.Eine ausreichende Beinkraft ist für denAlltag ausserordentlich wichtig. Mit ihrkönnen wir der Schwerkraft erfolgreichtrotzen: Ein Hochheben von Lasten, einschneller Schritt oder Lauf, ein Abfangenbeim Sprung, ein schnelles Aufstehen undHinsetzen, eine allgemeine körperlicheLeichtigkeit, das Tragen von Kindern oderauch mal das Heben des Partners, etc.Gerade die im Alter nachlassende Beinkraftist verantwortlich dafür, dass sichder Aktionsradius und damit die körperlicheFreiheit ganz erheblich einschränkt– mit allen sich daraus ergebenden körperlichen,sozialen und psychologischenKonsequenzen. Eine hohe Beinkraft taugtjedoch nur, wenn die Wirbelsäulenstabilitäthierbei beherrscht wird. Insofernstellt korrektes Kreuzheben eine wertvolleTrainingsempfehlung dar und bietetsich für einen Fitnesstest an.Im Hinblick auf die Drückdisziplinen fürden Oberkörper sollte aus den obigenSTRENFLEX fi tness sport 15F I TNE S S T E S TÜberlegungen eine Übung gestrichenwerden. Natürlich haben alle Übungenihre Berechtigung. In der Wahl zwischenDips und Liegestütze wäre manjedoch gut beraten, die Dips-Übung zustreichen. Für das Glenoidalgelenk, alsodem Gelenk zwischen Oberarm undSchulterblatt, stellen Dips die bei Weitembelastendere Übung dar. Der faserknorpeligeLabrumring, der die Gelenkflächevergrössert, wird bei dieser Übungvorne massiv gestaucht und auch dieSchultergelenkkapsel erfährt im vorderenBereich eine überaus hohe Zugbelastung.Insbesondere bei mangelhaftenlokalen Aufwärmstrecken kann es hier zuMikroläsionen in der vorderen Rotatorenmanschette,der Kapsel und im Labrumkommen.Darüber hinaus bieten Dips bei Personenmit einer eher ventralisierten, alsovorgelagerten Oberarmstellung, in denunteren zwei Dritteln der Bewegung eineKraftkomponente, die den Oberarm nachvorne heraushebeln möchte, was einezusätzliche ungünstige Subluxationstendenzdes Humerus mit sich bringt.Nun werden bestimmte Bewegungsabschnitteder Dips im Alltag durchausbenötigt. Das Aufstehen aus tiefen Sitzpositionenoder das Hochdrücken voneinem Stuhl erfordern endgradige Teilbewegungender Dips.Im Leistungssport schliesslich führtenAthleten diese Disziplin zu wahrer Meisterschaft.So bewältigte z. B. MarvinEder bei einem Körpergewicht von 88kg sage und schreibe 10 Wiederholungenmit einer Zusatzlast von 180 kg!Pat Casey konnte sogar bei einem Körpergewichtvon 135 kg Dips mit einerZusatzlast von 170 kg durchführen. Hierwurden jedoch Schultergürtelstrukturenüber Jahre aufgebaut, die diese extremenLasten aufnehmen und zerstörungsfreiableiten können. Als Anfänger- oder Fitnessübungstellen Dips zunächst jedochnicht die ideale Wahl dar. Hier wärenvorzugsweise Drückbewegungen in allenanderen Schulterwinkeln auszuwählen.Im Hinblick auf die Alltagsleistung seiangemerkt, dass hier nur das letzte Dritteloder bestenfalls die obere Hälfte derDipsbewegung durchgeführt und niemalsdas volle Körpergewicht bewältigt wird.Eigenartigerweise wurden jedoch beimStrenflex-Test volle Dipsbewegungengefordert, dagegen nur halbe Klimmzügeverlangt, obwohl hier die Gelenkbelastungum ein Vielfaches geringer ausfällt.Dips an Geräten mit Gegengewichtim Training zu integrieren macht Sinn,wobei höhere Lasten und tiefere Beugewinkelerst nach einer Festigungsphaseder gesamten Schultergelenkstrukturenund immer nur nach einer ausreichendenlokalen Aufwärmphase eingesetzt werdensollten. Vergessen wir bitte nicht,dass das Schultergelenk im Krafttrainingdas verletzungsanfälligste Gelenk darstellt.Für den Strenfl ex-Test empfehle ich demzufolgedie Dips zu streichen und hierfüreine Bein-/Rumpfkraftübung zu integrieren,wobei gute Argumente für einkorrektes Kreuzheben vorliegen, aberauch Kniebeugen vorstellbar wären.Allen Lesern, Test-Absolventen und -Aspiranten wünsche ich weiterhin eingesundes, motivierendes und erfolgreichesTraining für einen rundumleistungsfähigen und belastbaren Körper.Infos und Termine für differenzierteAusbildungen und Workshops fi ndenSie unter www.dr-gottlob-institut.de





